Nicht geschimpft ist genug gelobt

Wenn es doch nur so einfach wäre. Jeder reagiert unterschiedlich auf Lob und Kritik und jeder kennt das komische Gefühl, wenn man merkt, dass ein anderer einem selbst nacheifert. Eigentlich könnte kann man es schon fast als Lob betrachten, wenn die Idee, die man selber hatte, dem Nachbarn so sehr imponiert, dass er sie 1:1 oder in leicht veränderter Form übernimmt. Eigentlich. Wo hört aber Nacheifern auf und wo fängt das Kopieren an? Denn auf der anderen Seite hat es einen faden Beigeschmack, wenn man sich fremder Einfälle  bedient, ohne die Urheber vorher zu fragen oder kollegial zu informieren. Eine Sache, die nicht nur als moralisch unanständig anzusehen ist, sondern auch nicht  ohne Grund (z.B. bei Bildern, Logos, Patenten, etc.) straf- oder zivilrechtlich geahndet wird, wenn sie zu offensichtlich und juristisch greifbar ist. Aber genau um den Anstand soll es in diesem Beitrag gehen. Bestes Beispiel für eine solche Auseinandersetzung sind in unserem Fall Social Networks, die wir mal als „Blau“ und „Rot“ bezeichnen wollen. Beide bezichtigen sich gegenseitig des Ideendiebstahls und tragen diesen vor Gericht und in den Medien aus. Als Unbeteiligter sitzt man bei der Nachrichtenlektüre quasi im Publikum und schaut interessiert zu, wie die Auseinandersetzung von einer Seite des Atlantiks zur anderen schwappt und wieder zurück.

Ganz anders wird die Situation aber, wenn man plötzlich selbst davon betroffen ist. Wenn also die eigene Innovation einem anderen so sehr gefällt, dass er sich ihrer bedient, ist das eigentlich ein gutes Zeichen dafür sich an die Spitze gesetzt zu haben. Umso mehr, da das betroffene  Netzwerk mittlerweile über 12 Mio. Unique Visits im Monat vorweisen kann. Wäre da nicht ein irritierendes Gefühl. So passiert im Falle des Sozialen Netzwerks, das wir hier mal „Gelb“ nennen möchten. Denn „Gelb“ bekommt eines Tages gezwitschert, dass das lokale Netzwerk – nennen wir es mal „Grün“ – sein Mitglieder über neue Features aufklärt. Diese sehen denen von „Gelb“ zum Verwechseln ähnlich. Also hin und nachgeschaut, ob das wirklich der Fall ist.

Und tatsächlich: selbst ein Blinder mit Krückstock erkennt: ‚es ist kopiert‘. Dabei hat man sich mit offenbar wenig Skrupel auch wenig Mühe gegeben die Herkunft zu verschleiern.  So wurden lediglich unsere die Ränge ins Englische übersetzt, die „neue“ virtuelle Währung orientiert sich an der Währung aus einem Disney Comic-Heft mit einer vorlauten Ente und  – man kann es sich schon als Nutzer von „Gelb“ denken – User können damit ebenfalls virtuelle Geschenke kaufen. Diese sehen den eigenen sogar täuschend ähnlich.

Was soll man also davon halten? Ignorieren und sich freuen, dass die „gelbe Idee“ den Lenkern von „Grün“ so gut gefallen hat? Sagen wir wie es ist: das würde vermutlich niemand machen. Denn nicht so sehr das Kopiere steht dabei im Vordergrund des Ärgernisses, sondern dass heimliche und ungefragte Entwenden. Unabhängig davon, ob dies rechtlich einwandfrei ist.

Wie auch in den anderen Bereichen des zwischenmenschlichen Zusammenseins, sollte man meinen, dass kurze Gespräche etwaige Bedenken und Unstimmigkeiten beseitigen können. Es scheint aber bei einigen Firmen zu einer Art Unternehmenskultur geworden zu sein sich im Überlebenskampf abseits der guten Umgangsformen zu bewegen, die mitunter hätten helfen können. Den eine simple Frage hätte vieles erleichtert und so manchen Unmut vermieden.

Ob das Hinzufügen fremden Eigentums im neuen Gewand jedoch etwas bewirken wird, wird abzuwarten sein. Alle Zahlen von „Grün“ deuten bislang in die entgegensetzte Richtung. Denn wie habe ich gestern auf einem Profil bei jappy.de gelesen: „Wenn der Bauer nicht schwimmen kann, muss es nicht an der Badehose liegen“.

Eine Reaktion zu “Nicht geschimpft ist genug gelobt”

  1. Kendor

    Schockierend, ärgerlich und irgendwie auch bedenklich, wenn sich so schamlos an der Arbeit und an den Ideen Anderer bedient wird.
    Doch sein wir ehrlich: Klauen und Bescheißen gehört doch längst zum Alltag. Sei es nun die gebrannte CD bzw. oder die im ehemals sozialistischen Ausland erworbene Billigimitation von Markenartikeln. Und wer zieht nicht den billigen Fernseher, der ohne Rücksicht auf Patente in Fernost produziert wurde, dem heimischen Produkt vor? Ich bin doch nicht blöd.

    Mich wundert kein bisschen, dass bei Jappy abgekupfert wird. Jappy ist klasse. Da gibt es wenigstens was zu holen. Mich wundert eher, dass es so lange gedauert hat.

Einen Kommentar schreiben