Loveparade: Sicherheitsrisiko Menschenmasse

Fast jeder hat erschüttert in den Medien von der „Todesfalle Loveparade“ gehört oder gelesen, einige waren vielleicht sogar vor Ort. Ein Event, bei welchem sich Menschen eigentlich zum Feiern treffen, nicht zum Sterben.  Schnell stellte sich nach ersten Meldungen heraus, dass 19 Menschen getötet und mehr als 340 verletzt wurden. Betroffen wurde bundesweit an die Angehörigen, die ihre Kinder, Verwandte und Freunde zu betrauern haben gedacht.

Um so wütender hat mich persönlich dann die Pressekonferenz gemacht, die am Sonntag zur Stellungnahme einberaumt und von mehreren Sendern live übertragen wurde. Darin verwiesen die Verantwortlichen immer wieder darauf, dass ihre Sicherheitskonzepte stichhaltig waren und nun geklärt werden müsse, warum es dazu gekommen sei. Man verwies auf Experten, Sachverständige und andere, die alles geprüft und für absolut sicher befunden hätten.

Jedem ist aber klar: wenn es alles so sicher gewesen sei, wie beschrieben wurde, wäre es wohl nie zu der Tragödie gekommen. In den Ohren der Betroffenen müssen die Ausflüchte wie Hohn klingen. Und auch an den öffentlichen Reaktionen merkt man, dass geschliffene PR- Antworten nicht das sind, was die Menschen erwartet haben.

Dass Betroffenheit und Zorn hier sehr eng beieinander liegen, zeigen auch der  Blick bei uns auf die Seite. In mehreren Dutzend neugegründeter COMs von über 17000 Mitgliedern haben sich User zusammengefunden, um den Opfern zu gedenken oder über das Geschehene zu sprechen. Viele schreiben, um ihr Mitleid zum Ausdruck zu bringen. Andere, um ihrer Wut  Gehör zu verschaffen. Für sie war das offensichtlich, was die FAZ heute mit dem Titel  „Die Katastrophe von Duisburg“ sehr treffend beschrieben hat: “ […] Das ist keine „Tragödie“, wie man uns weismachen will. Hier ist niemand schuldlos schuldig geworden, eine schicksalhafte Verstrickung der Protagonisten sieht anders aus. Niemand ist blind in dieses Unglück gerannt. Die Katastrophe ist auch deshalb ein solcher Skandal, weil alle vorgewarnt waren – Stadt, Polizei, Veranstalter, wissenschaftliche Berater.[…]“

In Anbetracht dieses Wissens kann man beobachten, wie der Ruf nach Vergeltung und drakonischen Strafen für die Verantwortlichen nicht nur bei Jappy, sondern auch auf vielen anderen öffentlichen Plattformen laut wird. Ob dies Reaktion der Sachlichkeit Rechnung trägt, den Opfern etwas nützt oder nur allzu menschlich ist, bleibt jedem selbst überlassen. Es ist jedoch bemerkenswert, wie viele Menschen die Sozialen Netzwerke auch bei solchen dramatischen Themen nutzen, um ihre Meinung, ihre Trauer oder auch ihre ungeschönte Kritik zu äußern. Ein – wie ich finde – gutes Beispiel dafür, dass es der Spaßgesellschaft nicht immer nur um Spaß geht, sondern auch darum mit Druck aus der Öffentlichkeit etwas zu bewegen. Denn zu hoffen bleibt, dass zukünftige Veranstalter vor allem aus den Ereignissen lernen werden. Damit es nicht mehr zu einer solchen vermeidbaren Katastrophe kommt.

Kerzen im Tunnel am ehemaligen Güterbahnhof

Kerzen im Tunnel am ehemaligen Güterbahnhof

Quelle: Text: F.A.Z.
Quellen: Bildmaterial: AFP, APN, ddp, dpa, F.A.Z., REUTERS

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