Maximierung um jeden Preis

Wir haben vor kurzem in der kleinen, privaten Runde beim Social Media Club MUC darüber debattiert, inwiefern es beim Vermarkten der eigenen Sache legitim sei sich Methoden zu bedienen, die unter dem Aspekt der Ethik, Moral oder Political Correctness nicht ganz ok sind bzw in unserem Fall dem journalistischen Grundgedanken widersprechen.

So zum Beispiel das Bezahlen von Bloggern, die nur durch finanzielle Anreize zur Berichterstattung über neue Produkte zu bewegen seien. Während der GF einer PR Agentur und auch ich dieses Idee unter dem „moralischen“ Aspekt ablehnten, gab es dennoch auch Verfechter, die der Auffassung waren, der Zweck heilige die Mittel und es sei mittlerweile üblich sich den Fokus der Öffentlichkeit in Blogs zu erkaufen bzw. naiv dies nicht zu tun. Deren Ansicht nach käme der gekaufte Blogger nämlich im Prinzip dem „Paid Content“ gleich und sei somit legitim, während wir die Meinung teilten, dass beim bezahlten Blogger die Transparenz fehlt – mit anderen Worten: es ist eine Mogelpackung, die, wenn sie weiter Schule macht und ihr nichts entgegen gesetzt wird, den Grundgedanken der journalistischen Berichterstattung ad absurdum führt und einfach nur Interessierte täuschen soll. Daher ist es aus unserer Sicht unabdingbar  moralische und ethische Grundwerte auch in der Öffentlichkeitsarbeit beizubehalten, denn Glaubwürdigkeit stellt das Grundkapital einer seriösen PR dar. Sollte man zumindest meinen…..

Wohin das Verwerfen von Idealen jedoch auch führen kann, habe ich in meinem ganz persönlichen Beispiel  gestern Vormittag erfahren. Bekannte haben mir berichtete, dass ein Konzept, das wir bei  bei einem Fernsehsender, der bei mir daheim auf Platz 7  programmiert ist,  eingereicht haben, einfach „übernommen“ worden sei. Zum Beweis konnte ich mir das „Magazin“ gestern in einem Vorabend-Programm des betreffenden Senders anschauen. Der Aussagen des Geschäftsführers der Produktionsfirma zufolge, die für uns das Konzept eingereicht hat, sei es trotz Kongruenz des Format-Namens, des zeitlichen Zusammenhangs und weiterer Indizien „unwahrscheinlich“, dass der Sender sich fremder Ideen bemächtige – gähnen oder schäumen bei so viel Chuzpe?  Eine Insiderin bzw. meherer Mitarbeiter von Produktionsfirmen haben  berichtet, dass der betreffende Sender gerne Ideen unter dem Vorwand ablehne sie seien uninteressant, nicht realisierbar etc. nur um sie dann  zu kopieren. Dies sei den Branchenexperten zufolge  eine durchaus übliche Vorgehensweise.

Zwar sind Ideen nicht geschützt, so dass das Kopieren erlaubt und auch oftmals gang und gäbe ist. Dennoch würde meines Erachtens ein solches Übervorteilen  zu Lasten anderer an Wegelagerei und modernes Raubreittertum grenzen.  Methoden, bei denen ein Monopolist seinem Kooperationspartner  das Wasser abgräbt , sind inakzeptabel und auch nicht dadurch zu legitimieren, dass uns andere Bereiche wie die Automobilindustrie  ein solches Verhalten vorleben. Dort werden Zulieferer in ihren Gebotsabgabgen so unter Druck gesetzt, dass eine Amortisation eines Projekts erst in den Nachverhandlungen  erfolgt. Und dabei sollte es eigentlich ganz anders sein.  Die Hand, die man füttert, beißt man nicht. Dies wird jedoch offensichtlich nicht immer von beiden Seiten berücksichtigt.

Abgesehen von der ethisch, moralischen Verwerflichkeit solcher Geschäftspraktiken oder dem Vorwurf bei Protest dagegen ein schlechter Verlierer oder Träumer zu sein, da die Welt nun mal so funktioniere, fragt man sich dennoch wie auch aus rein ökonomischer Sicht Geschäfte und Kooperationen möglich sein sollen, wenn man  so über den Tisch gezogen wird. Ein gutes Geschäft basiert, wenn nicht auf Vertrauen, so doch auf der Tatsache, dass beide Seiten mit dem Gefühl einen Vorteil erwirtschaftet zu haben  auseinander gehen und dabei ein Mindestmaß an gegenseitiger Wertschätzung genießen. Bei den oben beschrieben Praktiken ist das jedoch nicht möglich.

Da stellt sich somit wieder die Frage, ob Gewinnmaximierung um jeden Preis nicht irgendwann durch das Wegbrechen von Partner und Innovationen zum Boomerang wird und die Verantwortlichen dort trifft, wo es sie am meisten schmerzt – am Geldbeutelchen.

Für die Zyniker, die behaupten, das Leben sei nun mal schlecht und Lug&Betrug gehören einfach dazu, empfehle ich die Seiten  foodwatch.de und abgespeist.de. Dort kann man feststellen, wie Mogelpackungen  jeden betreffen, der sie kauft.

Ich habe fertig.

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